Weinberghaus Varel

Das Weinberghaus in Varel – Jüdische Geschichte erleben

Bei dem Weinberghaus in Varel handelt es sich um das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus der Familie Weinberg, das von 1937 bis 1942 als jüdisches Altenheim diente. Bei zwei Deportationen aus Varel wurden alle 29 Bewohner*innen von den Nationalsozialisten in Ghettos und Vernichtungslager verschleppt – niemand überlebte. Ausgehend vom Schicksal der Familie Weinberg und der Altenheimbewohner möchte der Arbeitskreis an jüdisches Leben in Varel erinnern.

Zum Holocaust-Gedenktag eine Veranstaltung am 28.01.2023

Zum Holocaust-Gedenktag beteiligt sich der Arbeitskreis „Juden in Varel“ mit einer Filmvorführung. Gezeigt wird am Samstag, 28. Januar, ab 18 Uhr im Weinberg-Haus, Schüttingstraße 13 in Varel, der Dokumentarfilm „Wir glaubten, die Sonne geht nicht wieder auf – der  verdrängte und vergessene Oldenburger NS-Prozess“ von Farschid Zahedi. 

 Der Regisseur hat darin den vergessenen Strafprozess gegen zwei Verantwortliche des Völkermords an den europäischen Juden aufgearbeitet, der 1965 vor dem Oldenburger Landgericht begann. Er dauerte mehr als ein Jahr und endete mit der Verurteilung der beiden Angeklagten wegen Mordes. Die beiden Männer standen damals vor Gericht, weil die Anklagebehörde ihnen die Beteiligung an der Ermordung Tausender jüdischer Menschen in der westukrainischen Stadt Kowel während des 2. Weltkriegs zur Last legte. Der eine war Erich Kassner, der damals als Gebietskommissar Chef der Zivilverwaltung in Kowel war. Kassner lebte nach dem 2. Weltkrieg in Cloppenburg, wo er auch Mitglied des Stadtrats der Kommune war. Der zweite Angeklagte war der Polizeimeister Fritz Manthei. Der Prozess dauerte dreizehn Monate, Hunderte von Zeugen und Sachverständigen wurden gehört. Die lokale, nationale und internationale Presse berichtete ebenso wie das Fernsehen, Oldenburger Schulklassen besuchten den Prozess. Doch nachdem im September 1966 das Urteil gesprochen war, geriet er fast vollständig in Vergessenheit. Jahrzehntelang wurden der Prozess und seine Hintergründe verdrängt, obwohl die kompletten Prozessakten öffentlich zugänglich waren. 

Anhand von Zeitzeugeninterviews, Aufnahmen von Originalschauplätzen in der Ukraine sowie in Israel und nie zuvor öffentlich gezeigten historischen Materialien dokumentiert der Film eindrucksvoll das Geschehen in und um Kowel und des nachfolgenden Prozesses in Oldenburg. Zur Sprache kommen auch die Bemühungen um Gnade für die Täter durch rechtsnationale Kräfte und Politiker verschiedener Couleur. Filmemacher Farschid Zahedi wird persönlich anwesend sein und mit den Besuchern diskutieren. Wegen der begrenzten Zahl der Plätze bittet der Arbeitskreis „Juden in Varel“ um Anmeldung per Mail (info@weinberghaus.eu). 


Das Foto zeigt die Überlebende Dora Gudis. Bild: Werkstattfilm

Der Arbeitskreis weist auf die historische Stadtführung durch das jüdische Varel am Holocaust-Gedenktag, Freitag, 27. Januar, hin. Treffpunkt 15 Uhr vor der Schlosskirche/Turmportal.